Freitag, 10. Dezember 2010

Mikoláš in der Effeta

„Heute feiern wir Nikolaus (auf Tschechisch: Mikoláš, gesprochen Mikolaasch)“, klärt mich eine Assistentin in der Effeta am Freitagmorgen auf. Klar, Nikolaus kenne ich, denke ich mir. Es kommt der Nikolaus drauß vom Walde mit seinem Knecht Ruprecht, dem goldenen Buch, seiner Rute und hoffentlich ganz vielen Süßigkeiten. Wenn wir ihn nicht persönlich treffen, stellen wir unsere Schuhe abends vor die Tür. „Wie feiern wir?“, frage ich die Assistentin. „Heute Morgen dürfen sich die KlientInnen als Teufel oder Engel verkleiden und später spielt jemand den Bischof.“ Engel? Teufel? Hier in Tschechien gibt es keine Rute, keinen Knecht Ruprecht und schon gar keine gefüllte Schuhe vor der Tür. Engel und Mikoláš verschenken die Süßigkeiten. Der Teufel hat einen Sack und nimmt die Kinder, die nicht brav waren, mit. „Warum braucht ihr auch noch einen Teufel und einen Engel?“, frage ich. Doch das kann mir niemand so genau erklären.

Wir holen die Kisten aus dem Regal. Darin finden wir Teufelshörner und –schwänze, schwarzrote Stofffetzen, weiße und silberglitzernde Kleider, Sternenkränze und Engelsflügel. Jeder findet ein passendes Kostüm. Ob fies verkleideter Teufel oder güldener Engel, alle strahlen sie in ihren ausgefallen Verkleidungen. Wir gehen nach unten zur Party-Location. Dort gibt es Käsestangen, Chips und Cola. Ein Assistent hat Schminke ausgepackt. Die Teufel bekommen einen Bart und große, bedrohliche Augen, die Engel goldene Sterne und rote Bäckchen, aufgemalt.

Eine Assistentin legt eine CD ein: tschechischer Folklore. Wir bewundern die kreativen, sehr unterschiedliche Kostüme und machen jede Menge Fotos. Eine Klientin hat sich mit einem langen Arztmantel und einer langen weißen Bischofshaube aus Papier als Bischof Mikoláš verkleidet und verteilt nun Obst und Schokolade an die KlientInnen. Die Musik juckt uns in den Beinen und wir beginnen zu tanzen. Ich tanze mit M. Er wirbelt mich über die Tanzfläche bzw. den Teppichboden. Nur muss er immer wieder das Tanzen unterbrechen um seine Käsestangen zu verspeisen. Ich warte geduldig und unterdrücke mein Grinsen bis er wieder bereit ist.

Am Sonntagabend (5.12.) gehe ich mit Eva über den Weihnachtsmarkt. Viele Kinder bzw. vor allem Jugendliche sind als Teufel oder Engel verkleidet. Ein kleines Mädchen beginnt zu weinen als ein Teufel mit seinem Sack auf sie zu geht. Ob der Brauchtum mit dem Teufel wirklich so gut ist?
Wir gehen nach Hause. Gerne würde ich jetzt (wie zu Hause) meine Schuhe vor unsere Wohnungstür stellen. Aber es würde doch nur Nachbarshund dran knabbern.

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