Donnerstag, 8. September 2011

Schluss - Aus - Ende

Gänsehaut ist in den letzten Tagen in Brno mein ständiger Begleiter. Ich versuche mir klarzumachen, dass ich diesen schönen Ort und die wunderbaren Menschen, die ich hier kennen gelernt habe, verlassen werde. Aber es klappt nicht. Ausgiebiger Heimaturlaub und danach komme ich wieder zurück. Worte wie Studiumsbeginn, Umzug oder gar Nachfolgerinnen sind tabu. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die immer sehr erfrischenden „du glaubst nicht, was mir heute passiert ist“ – Gespräche mit meiner Mitbewohnerin Eva enden. Abends in der Wohnung können wir über diese Geschichten herzlich lachen. Unsere euphorische und an Größenwahnsinn grenzende Reisepläne quer durch Mittel- und Osteuropa kann ich mir nicht mehr wegdenken. Genauso wie unser interner Wettbewerb nichts an kulturellen Ereignissen der mährischen Landeshauptstadt zu verpassen. Außerdem verstehe ich endlich meine Kolleginnen, sogar wenn sie schnell über Kollegen herziehen, endlich weiß ich, wie die Busse fahren, endlich kenne ich die schönsten Ecken Brnos, endlich fühle ich mich hier zu Hause.

In den Wochen vor meiner Abreise bin ich mit vier guten Freundinnen durch Rumänien gereist und hatte ein angenehmes Abschlussseminar mit meinen Mitfreiwilligen in Tschechien. Als ich nach Brno zurückkehre, ist der Alltag weit entfernt. Es sind kaum Klienten in der Tagesstätte, es gibt wenig zu tun und so ist die Woche sehr entspannt. Jedoch ist die Zeit nach der Arbeit stressig. Planen, wann ich wen noch ein letztes Mal besuche und was ich ihm/ihr zum Abschied schenke. Meine letzte Woche in Brno besteht ausschließlich aus Abschieden. Von wem ich mich einmal verabschiedet habe, möchte ich nicht zufällig auf der Straße nochmal treffen. Das Abschiedsszenario genügt einmal. Ich mag es nicht. Bis mir auf Tschechisch einfällt, was ich gerne meinem Gegenüber sagen und wünschen möchte, sind wir bereits fertig mit tschüss sagen. Die Frage, wohin es danach geht, endet für die Tschechen meist unangenehm. Es überrascht mich nicht, dass keiner Darmstadt kennt und für Heilpädagogik gibt es im Tschechischen keinen entsprechenden Ausdruck.

Diese letzte Woche ist eine meiner schönsten, doch zugleich schrecklichsten Wochen in Brno. In der Jüdischen Gemeinde werden wir viel herzlicher verabschiedet, als wir begrüßt wurden, und am Schabbat lernen wir plötzlich neue junge Leute kennen. Am Sonntag, meinem vorletzten Tag in Tschechien, machen wir noch zusammen mit meinen Kollegen einen Ausflug in das hübsche Lednice und Valtice (Weingebiet und großes Schlossareal). Warum schaffen wir das erst jetzt zum Schluss? Am Samstag organisiere ich zusammen mit meiner Mitbewohnerin Eva eine Abschiedsparty. Es ist ein schöner Abend, es kommen mehr, als wir erwartet hatten. Mir wird bewusst, was für ein großes Netz ich mir aufgebaut habe. Tschechen, die mir weiterhalfen, die mit mir was unternahmen und die sich um mich kümmerten. Auch wenn sie vielleicht manchmal nicht ganz verstanden, warum ein deutsches Mädel für ein Jahr nach Tschechien geht. Um zu arbeiten, ohne Geld zu verdienen und ohne Tschechisch zu sprechen. Im Rückblick weiß ich aber auch, dass dieses soziale Netz nicht immer so da war. Es dauert, bis Tschechen sich öffnen. Aber dann ist es sehr herzlich und offen.

Es ist gut zu wissen, dass wenn ich wieder nach Brno komme, ich eine Menge netter Leute zu besuchen habe. Wann kommst du uns wieder, fragen die Klienten. Ich weiß es nicht. Aber hoffentlich schon sehr bald!

Damit der Besuch nicht langweilig wird, haben Eva und ich, ehrgeizig und Brno-genussorientiert wie wir sind, bereits eine Liste erstellt, mit den Dingen, die wir nicht mehr geschafft haben…

Fotos aus den letzten Wochen:
Wir5
Unsere Rumänienreisetruppe

Romaniab
Teil 2 der Reise

ASF-Gruppeb2
Unsere ASF-Tschechien-Gruppe auf dem letzten Seminar

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